Die Stadtmauer von Ávila

Ávila: Wehrhaft, heilig und vernascht

Die Stadt Ávila gehört zu den interessantesten Städten in Kastilien und León: Kirchen, Paläste und Stadtmauern aus Granit, UNESCO-Weltkulturerbe auf über 1.000 m Höhe.

Rau, wehrhaft und trutzig, so präsentiert sich die Stadt Ávila auf den ersten Blick. Die Stadtmauer aus Granit umfasst eine Länge von 2.557 Metern. Die Mauern sind bis zu 12 Meter hoch und drei Meter dick. 88 Wehrtürme gliedern die gigantische Wehranlage, neun Tore führen in die mittelalterliche Altstadt. Und dies alles wurde in einer relativ kurzen Zeit zwischen 1090 und 1099 aus dem Boden gestampft.

Ávila ist eine sehr alte Stadt. Funde von stierähnlichen Statuen deuten darauf hin, dass die Gegend schon von den Keltiberern besiedelt wurde. Später folgten die Römer, die Goten und schließlich die Mauren.

Jahrhundertelang war das Gebiet zwischen den Flüssen Duero im Norden und Tajo im Süden ein hart umstrittenes Niemandsland bis die Landschaft schließlich unter dem König Alfonso VI. unter kastilische Herrschaft kam.  Wenige Jahre später begann die systematische Befestigung der Stadt und die Ansiedlung neuer Bewohner in der fast menschenleeren nördlichen Meseta.

Platz vor der Kathedrale von Ávila mit der Stadtmauer
Platz vor der Kathedrale von Ávila mit der Stadtmauer

Sehenswürdigkeiten in Ávila

Gleichzeitig mit der Errichtung der Befestigungsanlagen begann der Bau der mächtigen Kathedrale Salvador de Ávila, die mit der östlichen Stadtmauer fest verbunden ist. Die Bautätigkeit an der Kathedrale zog sich über Jahrhunderte hin, so dass unterschiedlichste Stilepochen von der Romanik bis hin zu Einflüssen der toskanischen Renaissance vertreten sind.

Beeindruckend ist die Kombination von Strenge und Pracht in der Kirche. Sehenswert ist die Gemäldegalerie mit Werken u. a. von El Greco im Museum der Kathedrale.

Altarbild in der Kathedrale Salvador de Ávila
Altarbild in der Kathedrale Salvador de Ávila

Der Aufstieg von Ávila zu einer wichtigen Stadt in Kastilien erfolgte im 13. Jahrhundert mit der Verleihung von besonderen Stadtrechten. In der Stadt tagten die Cortes, residierten die Könige, hier wurden königliche Feste und Hochzeiten gefeiert.

Die bedeutendste Zeit erlebte Ávila im 16. Jahrhundert, doch dann setzte ein Niedergang ein, von dem sich die Stadt nie wieder so richtig erholen könnte. Madrid wurde zur spanischen Hauptstadt, der Adel verließ die Stadt, die Morisken (christianisierte Muslime) wurden vertrieben, viele Einwohner suchten ihr Glück in der neuen spanischen Welt jenseits des Atlantiks.

Feines Gebäck wie Telillas de Monja in Ávila (Kastilien-León)
Feines Gebäck wie Telillas de Monja in Ávila (Kastilien-León)

Santa Teresa de Ávila

Ávila ist eine Stadt voller sehenswerter Kirchen, Klöster und Paläste. Die Adelspaläste liegen überwiegend in der Altstadt. Ein Beispiel ist der Palacio de los Dávila an der südlichen Stadtmauer. Westlich davon liegt der Convento de Santa Teresa. Hier wurde das Geburtszimmer der Heiligen Teresa von Ávila zu einer Kapelle umgebaut.

Teresa trat 1535 dem Karmeliterorden bei und sie ist heute eine Nationalheilige in Spanien. Teresa reformierte den Orden entgegen dem damaligen Zeitgeist weg vom weltlichen Leben hin zu einer frommen, mystischen und bescheidenen Lebensweise.

Dem guten Essen war die fromme Nonne allerdings nicht abgeneigt. Yemas de Santa Teresa, eine Köstlichkeit aus Honig und Eigelb, sind ein fester Bestandteil der örtlichen Gastronomie.

Die alte Kirche San Vicente vor den Toren der Altstadt von Avila
Die alte Kirche San Vicente vor den Toren der Altstadt von Avila

Da der ummauerte Teil von Ávila schon schnell zu wenig Fläche bot, liegen einige sehenswerte Kirchen wie San Vicente, San Pedro, San Andrés und San Segundo, die wie die Stadtmauer zum UNESCO-Welterbe zählen, etwas außerhalb der Altstadt.

Lokale Spezialitäten und Tapas

Typisch für die deftigen Gerichte der Gegend sind Koteletts (Chuletón de Ávila) der einheimischen schwarzen Rinder, Gerichte mit großen weißen Bohnen (Judías del Barco) sowie die Süßigkeit Yemas de Ávila (oder de Santa Teresa).

Außerdem ist es in Ávila Tradition, zu einem Wein oder Bier eine kostenlose Tapa zu servieren, wobei es hier oft sogar die Möglichkeit der freien Auswahl gibt. Diese gilt vor allem in den Bars und Restaurants der Altstadt zwischen Kathedrale und Plaza del Mercado Chico. Bekannt für gute Pinchos sind z.B. Don Camillo (Calle de Vallespín Nr. 7), Gredos (Calle Comuneros de Castilla Nr. 4) und Las Cancellas (Calle Cruz Vieja Nr. 6).

Weitere Infos und Unterkünfte in Ávila

Karte von Ávila


Lage: Die Stadt Ávila (PLZ 05001-05006; GPS 40.655809/ -4.699194; 58.000 Einw.) liegt 1131 m Höhe in der gleichnamigen Provinz im Süden der Gemeinschaft Kastilien und León.

Anreise nach Ávila

Ávila liegt auf 1.131 Meter Höhe an den nördlichen Ausläufern der Sierra de Gredos. Von Madrid aus dauert eine Autofahrt über die Autobahnen AP-6 und A-6 ca. anderthalb Stunden (110 km). Die Nachbarstadt Segovia liegt knapp 70 km nordöstlich und ist über die AP-21 / N-110 ist knapp einer Stunde zu erreichen. Die Züge nach Madrid fahren stündlich mit Zwischenstopps in El Escorial. Gute Busverbindungen gibt es darüber hinaus nach Salamanca und Segovia.

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