Urlaub zu Corona Zeiten

Reisen nach Spanien – Reisen in Corona-Zeiten

Machen wir uns nicht vor. Mit dem Einsetzen der Covid-19 Pandemie wird kaum etwas bleiben, wie es einmal war. Auch der Tourismus muss sich ändern, daran führt kein Weg vorbei. Wer hofft, dass schnell wieder der Zustand vor Corona eintreten wird, der mag den Ernst der Lage nicht verstanden haben.

Daher macht es auch keinen Sinn, jetzt auf ein bestimmtest Datum zu warten, wenn alles so sein wird, wie es einmal war. Niemand kann sagen, wann es einen guten Impfstoff gegen den Virus SARS-CoV-2 geben wird. Oder ein Medikament, dass erfolgreich gegen die Covid-19 Erkrankungen eingesetzt werden kann und allgemein für Alle verfügbar ist. Dies kann lange dauern, ein Jahr, zwei Jahre oder vielleicht noch länger, was nicht unwahrscheinlich ist.

Deshalb gilt, was beispielsweise in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gelten wird, auch für das Urlaubsland Spanien. Das Einhalten von Abstandsregeln, das Tragen von Masken und vorsorgende Hygienemaßnahmen wird auf längere Zeit unser Leben bestimmen und damit natürlich auch unseren Urlaub. Die weltweite Pandemie ist eine Folge der Globalisierung. Der Massentourismus ist ein Beschleuniger und effektiver Verbreiter von Viren, von denen SARS-CoV-2 mit großer Sicherheit nicht der letzte gewesen ist.

Werden wir deshalb nicht mehr nach Spanien reisen? Nein, wir werden dies tun, genauso wie wir unser Leben den Heimatländern den Umständen anpassen und nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben werden. Daher ist weniger die Frage, wann wir es tun, sondern wie wir es tun.

Sonne und Strand, das waren die Markenzeichen des Spanientourismus. Rappelvolle Urlaubsorte und Strände in der Hauptreisezeit im Sommer, vom „Ballermann“ gar nicht zu reden, waren die Folgen eines Massentourismus, der preiswerten Urlaub für sehr viele ermöglichte und damit den Urlaub demokratisierte.

Neben dem Urlaub am Meer, boomte die Zahl der Städtereisen. Das Schlagwort des Overtourism prägt seit Jahren die sozialen Probleme, die Millionen von Touristen in Städten wie Barcelona oder Madrid hervorrufen. Mit dem Aufkommen der Buchungsplattformen wie Airbnb wurde privater Wohnraum in den beliebtesten Vierteln durch Ferienwohnungen ersetzt und damit zum größten Teil ärmere Bevölkerungsschichten verdrängt.

Mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie wurde dieser Trend erst einmal gestoppt. Was auf den ersten Blick positiv erscheinen mag, hat seine Kehrseite. Ca. 13% des spanischen Bruttoinlandsprodukts wird im Tourismus erzeugt. Plötzlich stehen nicht nur die Kapitalgeber der großen Hotelketten, abgesehen von den mittelständigen Betreibern von Hotels und Ferienunterkünften, unter Druck. Millionen der vorwiegend prekär Beschäftigen in der Tourismusindustrie verlieren ihren Job. Das jetzt von der spanischen Minderheitsregierung geplante „Grundeinkommen“ liegt unter den Niveau von Hartz IV. Dies wird eine Verbesserung bringen, mehr nicht.

Seit Jahren prägt die Forderung nach einem nachhaltigen Tourismus auch die Diskussion in Spanien. Oft war es nicht viel mehr als Greenwashing, ein populärer Spruch des Standortmarketings. Jetzt wäre es allerdings an Zeit, diese Alternativen Ernst zu nehmen und auch umzusetzen.

Nachhaltiger Tourismus muss allerdings nicht nur Rücksicht auf das Klima und die Natur nehmen, sondern auch seinen Beschäftigten ein gutes Einkommen garantieren. Einen Lohn, der zum Leben reicht, wie es die Vereinigung der „Zimmermädchen“ Las Kellys fordert. Oder würdevolle Unterkünfte für die Tausenden von Saisonarbeiter-/innen, die in den Urlaubszentren zu Diensten sind.

Wie die Entwicklung von Alternativen vonstatten gehen könnte, ist erst in Umrissen abzusehen. Es gilt von etwas Abschied zu nehmen, um vielleicht sogar etwas Besseres zu gewinnen.

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