Der Innenhof der Casa de Pilatos in Sevilla

Sevilla: Ein Spaziergang durch die nördliche Altstadt

Der Ausgangspunkt dieses Rundgangs durch den Norden der Altstadt von Sevilla ist die Casa de Pilatos, einer der schönsten Stadtpaläste der andalusischen Hauptstadt. Der Weg führt weiter über die Plaza de la Encarnación mit dem Parasol zur Calle Feria, einer der ältesten Märkte der Stadt. Endpunkt des Streifzugs ist der lebendige Platz Alameda de Hércules.

Sehenswürdigkeiten im Norden der Altstadt von Sevilla

Casa de Pilatos

Der nördliche Teil der Altstadt (Casco Antiguo) von Sevilla ist bei weitem nicht so touristisch geprägt wie der Süden mit der Kathedrale und dem Viertel Santa Cruz.

Die Casa de Pilatos liegt am nordöstlichen Rand der Altstadt an dem gleichnamigen Platz. Der Baubeginn eines der schönsten Stadtpaläste in Sevilla (natürlich abgesehen vom Königspalast Alcázar) liegt im Jahre 1483. Bauherr war der königliche Statthalter von Andalusien Pedro Enríquez de Quiñones. Den außergewöhnlichen Baustil prägte jedoch sein Sohn Fadrique Enríquez de Ribera, der auf seiner Pilgerreise nach Jerusalem die Renaissance in Italien kennenlernte und sich davon begeistern ließ. Nach seiner Rückkehr nach Sevilla förderte er die Fusion der traditionellen Mudéjar-Architektur mit Elementen der Renaissance und der Spätgotik.

Die Casa de Pilatos ist täglich zwischen 9 und 18 Uhr zu besichtigen.

Der Garten der Casa de Pilatos in der nördlichen Altstadt von Sevilla
Der Garten der Casa de Pilatos in der nördlichen Altstadt von Sevilla

In der Mitte des andalusischen Patios (Innenhof), umrahmt von orientalischen Hufeisenbögen, steht der obligatorische wasserspendende Brunnen, der von mächtigen Statuen bewacht wird, die antike Götter darstellen. Der angrenzende Garten komponiert das satte Grüne mit den Farben der blühenden Pflanzen und den Wasserspielen. Wasser war zu jener Zeit ein absolutes Luxusgut, nur wenige Häuser in Sevilla waren an eine direkte und stetige Wasserzufuhr angeschlossen, die Voraussetzung für eine solche Gartengestaltung ist.

Das obere Stockwerk ist nur während einer obligatorischen Führung zu besichtigen. Sehenswert sind die Deckengestaltung und die filigrane Arbeit an den Türen und Fenstern. Die Räume sind mit historischem Mobiliar, Kunsthandwerk und wertvollen Gemälden ausgestattet. Bis heute dienen Räume als Residenz des Herzogs von Medinaceli.  Das Adelsgeschlecht betrachtet die Casa del Pilatos als ihren Stammsitz, lässt aber ihre ehemaligen Schlösser von einer privaten Stiftung verwalten. Das Adelshaus besteht seit dem 15. Jahrhundert und stammt aus dem Ort Medinaceli im Süden der Provinz Soria.

Metropol Parasol

Das nächste Ziel ist im Vergleich zur Casa de Pilatos ein architektonisches Kontrastprogramm: der Metropol Parasol des deutschen Architekten Jürgen Mayer auf der Plaza de la Encarnación.

Der Weg dorthin führt uns vom Plaza de Pilatos in nordwestlicher Richtung über die Plätze Plaza de San Leandro und der mit Birkenfeigen bestandenen Plaza del Cristo de Burgos. Weiter geht es über die Calle Imagen zur Plaza de la Encarnación. Dieser Platz, benannt nach der Kirche an der Südwestseite, war nach dem Abriss der alten Markthalle in einem städtebaulich desolaten Zustand, so dass die Stadt 1973 beschloss, einen Architekturwettbewerb auszuschreiben. Diesen gewann Jürgen Mayer mit seinem Projekt Metropol Parasol.

Blick vom Parasol über die Dächer von Sevilla
Blick vom Parasol über die Dächer von Sevilla

Das aus Holz und Beton geschaffene futuristische Objekt mit einer Länge von 150 und einer Maximalhöhe von 26 Metern ist das moderne Wahrzeichen von Sevilla. Einheimische haben dem 2011 fertiggestellten Gebäude die Bezeichnung Setas de Sevilla (Pilze von Sevilla) gegeben.  Die ausladende Dachkonstruktion schützt vor Sonne (und Regen), und bietet so gute Bedingungen für Konzerte, aber auch für politische Versammlungen, wie z.B. als Treffpunkt für die soziale Protestbewegung 15-M gegen die Kürzungs- und Arbeitsmarktpolitik der spanischen Regierungen.

Kreuzung Calle Regina und Plaza de la Encarnación in Sevilla
Kreuzung Calle Regina und Plaza de la Encarnación in Sevilla

Mögen die Setas auch inmitten der historischen Bebauung als Fremdkörper erscheinen, so wird nach der kurzen Auffahrt auf das Dach per Aufzug jegliche kritische Stimmung verstummen. Der Rundweg führt auf und ab über die Dachkonstruktion und bietet wundervolle Rundblicke auf die verschiedenen Stadtteile von Sevilla. Von oben schauen wir in nördlicher Richtung herunter auf die lebendige Calle Regina, auf der wir unseren Spaziergang zur historischen Calle Feria fortsetzen.

Calle Feria

Die Calle Feria beginnt hinter der Calle Regina an der San Juan de la Palma und zieht sich weit in nördlicher Richtung bis an die Grenze der Altstadt und Übergang in das Macarena-Viertel. Seit dem 13. Jahrhundert findet in dieser Gasse jeden Donnerstag ein Markt statt, der damit der älteste in Sevilla ist. Der El Jueves, wie der Markt kurz genannt wird, hat sein Zentrum an der Plaza de Montesión. Angeboten werden heutzutage vor allem Antiquitäten und Secondhandartikel.

Die Calle Feria, die Marktgasse in der Altstadt von Sevilla
Die Calle Feria, die alte Marktgasse in der Altstadt von Sevilla

Wir folgen der Calle Feria bis zur der kleinen Pfarrkirche Omnium Sanctorum mit einem sehenswerten Portal im Mudéjarstil. Die Kirche ist mit dem Baubeginn im Jahre 1249 eine der ältesten Kirchen in Sevilla. Kurz davor liegt auf der rechten Seite das legendäre Rocklokal La Estraza. Als gastronomische Spezialität werden Chacinas serviert, luftgetrocknetes Pökelfleisch vom Rind. Wir biegen jetzt nach links in die Calle Peris Mencheta und erreichen nach etwa 100 Metern die Alameda de Hércules und schauen auf die beiden römischen Säulen mit den Statuen von Hercules und Cäsar.

Alameda de Hércules

Die Alameda de Hércules wurde schon im Jahre 1574 angelegt und zählt damit zu den ältesten Gartenanlagen in Spanien und Europa. Der größte Platz in Sevilla ist ein Treffpunkt von Jung und Alt mit Cafés und Brunnen, welche in der Hitze des andalusischen Sommers Kühle versprechen. Ein guter Platz zum Verweilen, eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen und über weitere Pläne zu beraten.

Straßencafé an der Alameda de Hércules in Sevilla
Straßencafé an der Alameda de Hércules in Sevilla

Wer noch viel Zeit und Kraft hat, kann auf dem Rückweg in Richtung Zentrum einen Abstecher ins Museum der schönen Künste (Museo de Bellas Artes de Sevilla) machen, welches abgesehen vom Hochsommer dienstags bis sonntags am Abend bis 20 Uhr geöffnet hat. Der Museumseintritt ist für Bürger-/innen der EU frei.

Weitere Informationen und Links

Karte der Sehenswürdigkeiten der nördlichen Altstadt


Sevilla steht auf Platz drei der am meisten besuchten Städte in Spanien, nur Madrid und Barcelona empfangen mehr Touristen aus aller Welt.

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