17. August 2019
Weinberge auf der südlichen Seite des Cañón do Sil in der Ribeira Sacra

Ribeira Sacra: Die tiefe Schlucht des Flusses Sil

Das Binnenland von Galicien bietet außergewöhnliche Landschaften. Eine davon ist die tiefe Schlucht des Flusses Sil in der Ribeira Sacra, an der Grenze der beiden Provinzen Lugo und Ourense.

Der Río Sil fließt auf der Strecke des gleichnamigen Canyons durch ein schmales Tal mit über 500 Meter hohen, steilen Abhängen in strikter Ost-West-Richtung, bevor er sich bei Os Peares mit dem zweiten bedeutenden Wasserlauf in Galicien, dem Fluss Miño, vereinigt. Der Cañón do Sil (auch als Garganta del Sil bekannt) liegt im Gebiet der Ribeira Sacra nordöstlich von Ourense, eine Region welche auch für ihre vorzüglichen Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung bekannt ist.

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Es waren nicht die steten Wasser des Flusses, welche dieses einmalige Tal gegraben haben, die Ursache liegt in einer tektonischen Verschiebung von Gesteinsplatten, welche diesen Canyon schuf. Die dünn besiedelte Gegend ist Schauplatz vieler Sagen und Geschichten, ein manchmal düsterer aber dann auch wieder ganz heller Ort, wenn sich vormittags die ersten Sonnenstrahlen einen Weg durch den Hochnebel über der Schlucht bahnen.

An den sonnigen Steilhängen am nördliche Ufer haben schon die Römer Terrassen angelegt, um den Weinanbau zu ermöglichen. Die Weinreben gedeihen hier hervorragend unter günstigen klimatischen Bedingungen und ermögliche so die Produktion von manch gutem Tropfen. So wird berichtet, schon Julius Cäsar habe sich Wein vor hier nach Rom schaffen lassen.

Diese Tradition des Weinanbaus wurde im Mittelalter neu belebt, als Mönche in diese abgeschiedene Region kamen und die ersten Einsiedeleien gründeten, aus denen sich später die zahlreichen Klöster entwickelten, von denen heute noch 18 besichtigt werden können. Der Legende nach sollen die frommen Männer auch geeignete Weinreben mitgebracht haben, so z.B. aus den Rheinland, die auf diesen Lagen gut gedeihen.

Blick auf die Hochebene mit der Nekropole Mámoas de As Cabanas
Blick auf die Hochebene mit der Nekropole Mámoas de As Cabanas

Von Ourense und Castro Caldelas

Für eine Tour entlang der Sil-Schlucht ist in der Regel ein eigenes Fahrzeug erforderlich. Eine Alternative dazu ist im Sommer eine Ausflugstour per Bus und anschließender Fahrt mit dem Boot durch die Schlucht, wie sie in Reisebüros z.B. in Ourense angeboten werden.

Eine schöne Strecke führt beispielsweise von Ourense auf der Nationalstraße N-120 entlang der linken Uferseite des Flusses Miño in nordöstlicher Richtung bis kurz vor den Zusammenfluss von Miño und Sil bei Os Peares. Ca. zwei Kilometer vorher geht es rechts ab auf die Provinzstraße OU-0555 zu dem Dorf Luíntra (Nogueira de Ramuín), von wo die OU-0508 auf der Hochebene weiter in Richtung des Klosters San Estevo de Ribas de Sil führt. Hier lohnt sich ein Stopp, um einen Blick auf die wichtigste Klosteranlage der Ribeira Sacra zu werfen, in der auch ein Luxushotel der Parador-Kette untergebracht ist.

Blick auf das Kloster San Estevo de Ribas de Sil
Blick auf das Kloster San Estevo de Ribas de Sil

Zurück auf der Provinzstraße OU-0508 in Richtung Parada do Sil geht bei dem Dorf Loureiro ein ausgeschilderter Weg hinunter zur Anlegestelle Embarcadoiro de Santo Estevo. Der interessante Abstecher lohnt sich wegen der schönen Ausblicke auf die Schlucht des Sils, auch wenn des über vielen Kehren und Kurven heruntergeht. Auf dem gegenüberliegenden Sonnenhang des hier zum wiederholten Mal aufgestauten Flusses liegen die Terrassen der Weinberge.

Wir fahren zurück und setzen die Tour vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten (Miradores) wie den Miradoiro da Columna (Mirador de la Columna), die immer wieder eine Gelegenheit für einen Halt bieten. Später erreichen wir den Hauptort der Gegend Parada do Sil, der über einen schön gelegenen und gut ausgestatteten Campingplatz Cañón do Sil verfügt.

Blick vom Mirador de la Columna auf die Schlucht des Flusses Sil
Blick vom Mirador de la Columna auf die Schlucht des Flusses Sil

Wer Lust hat kann im Orte den Wagen stehen lassen und macht sich zu Fuß auf zum nächsten Aussichtspunkt, dem Mirador Os Torgás, der auch als Balcones de Madrid, bekannt ist. Hier sollen früher die Frauen auf ihre aus der Emigration zurückkehrenden Männer gewartet haben. Ein ausgeschilderter Fußweg führt in einem Bogen über die Siedlung Fondo de Vila zurück nach Parada do Sil.

Knapp fünf Kilometer liegt von Parada entfernt an den Abhängen der Schlucht einen Wald mit vielen Kastanien die Klosterruine Mosteiro de Santa Cristina mit einer romanischen Kirche aus den 12. Jahrhundert. Das einst mächtige Kloster liegt verlassen und einsam unter den hohen Bäumen. Im Obergeschoss des Kreuzgangs aus dem 16. Jahrhundert haben Fledermäuse eine Heimstatt gefunden.

Aussichtspunkt Os Torgás / Os Balcones de Madrid
Aussichtspunkt Os Torgás / Os Balcones de Madrid

Es ist jetzt schon Nachmittag geworden und wir haben noch etwa 30 km vor uns, um das Städtchen Castro Caldelas zu erreichen, welches sich als Übernachtungsstation anbietet. Die Straße wird nach etwas schmaler, zieht sich aber weiterhin landschaftlich reizvolle parallel zu Schlucht bis ein gutes Stück nach der Querung des Baches Mao das Weinbauörtchen A Teixeira erreicht ist. Von hier aus geht es weiter in Richtung Castro Caldelas, ein kleines Städtchen, welches von einer Burgruine überragt wird. Hier stehen uns mehrere Unterkünfte sowie ein ruhiger Wohnmobilstellplatz zur Verfügung.

Die beschriebene Fahrtstrecke zwischen Ourense und Castro Caldelas beträgt gut 90 km, mit Pausen und Abstechern sollte ein ganzer Tag eingeplant werden.

Karte Cañón do Sil

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