Ribeira Sacra

Ribeira Sacra: Die tiefe Schlucht des Flusses Sil

Das Binnenland von Galicien bietet außergewöhnliche Landschaften. Eine davon ist die tiefe Schlucht des Flusses Sil in der Ribeira Sacra, an der Grenze der Provinzen Lugo und Ourense. Eine Tour entlang der “Garganta del Sil” ist einer der landschaftlichen Höhepunkte einer Reise durch Galicien.

Der Río Sil fließt auf der Strecke des gleichnamigen Canyons durch ein schmales Tal mit über 500 Meter hohen, steilen Abhängen in strikter Ost-West-Richtung, bevor er sich bei Os Peares mit dem zweiten bedeutenden Wasserlauf in Galicien, dem Fluss Miño, vereinigt. Der Cañón do Sil (auch als Garganta del Sil bekannt) liegt im Gebiet der Ribeira Sacra nordöstlich von Ourense. Diese Region ist für ihre vorzüglichen Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung bekannt.

Der Cañón do Sil

Nicht der Fluss selbst, wie zu vermuten wäre, hat dieses einmalige Tal gegraben. Es waren vielmehr tektonischen Verschiebung von Gesteinsplatten, welche diesen Canyon schufen.

Die dünn besiedelte Gegend ist Schauplatz vieler Sagen und Geschichten. Ein manchmal düsterer aber dann auch wieder ganz heller Ort, wenn sich vormittags die ersten Sonnenstrahlen einen Weg durch den Hochnebel über der Schlucht bahnen.

An den sonnigen Steilhängen am nördliche Ufer haben schon die Römer Terrassen angelegt, um hier Wein anzubauen. Die Weinreben gedeihen hervorragend unter günstigen klimatischen Bedingungen und ermöglichen so die Produktion von manch einem guten Tropfen. Schon Julius Cäsar habe sich Wein, so wird berichtet, aus der Ribeira Sacra nach Rom bringen lassen.

Diese Tradition des Weinanbaus wurde im Mittelalter neu belebt. Mönche kamen in diese abgeschiedene Region und gründeten die ersten Einsiedeleien. Aus diesen Anfängen entwickelten sich später zahlreiche Klöster, von denen heute noch 18 besichtigt werden können. Der Legende nach sollen die frommen Männer auch Weinreben mitgebracht haben, so z.B. aus den Rheinland, die auf hiesigen Lagen gut gedeihen.

Blick auf die Hochebene mit der Nekropole Mámoas de As Cabanas
Blick auf die Hochebene mit der Nekropole Mámoas de As Cabanas

Eine Tour von Ourense und Castro Caldelas

Für eine Fahrt entlang der Schlucht des Flusses Sil ist in der Regel ein eigenes Fahrzeug erforderlich. Eine Alternative dazu ist im Sommer eine Ausflugstour per Bus und anschließender Fahrt mit dem Boot durch die Schlucht. Diese Touren können in Reisebüros z.B. in Ourense gebucht werden.

Eine schöne Strecke führt von Ourense auf der Nationalstraße N-120 entlang der linken Uferseite des Flusses Miño in nordöstlicher Richtung bis kurz vor den Zusammenfluss von Miño und Sil bei Os Peares. Ca. zwei Kilometer vorher geht es rechts ab auf die Provinzstraße OU-0555 zu dem Dorf Luintra (Nogueira de Ramuín).

San Estevo de Ribas de Sil

Von hier aus führt die Provinzstraße OU-0508 auf der Hochebene weiter in Richtung des Klosters San Estevo de Ribas de Sil. Hier lohnt sich ein Stopp, um einen Blick auf die wichtigste Klosteranlage der Ribeira Sacra zu werfen. Das Kloster beherbergt heute ein Luxushotel der Parador-Kette.

Blick auf das Kloster San Estevo de Ribas de Sil
Blick auf das Kloster San Estevo de Ribas de Sil

Zurück auf der Provinzstraße OU-0508 in Richtung Parada do Sil geht bei dem Dorf Loureiro eine ausgeschilderte Piste hinunter zur Anlegestelle Embarcadoiro de Santo Estevo. Der interessante Abstecher lohnt sich wegen der schönen Ausblicke auf die Schlucht des Sils, auch wenn die Straße über vielen Kehren und Kurven hinunter führt. Auf dem gegenüberliegenden Sonnenhang des hier zum wiederholten Mal aufgestauten Flusses liegen die Terrassen der Weinberge.

Parada do Sil

Wir fahren zurück und setzen die Tour vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten (Miradores) wie den Miradoiro da Columna (Mirador de la Columna). Später erreichen wir Parada do Sil, den Hauptort der Gegend. Dieser verfügt über den schön gelegenen und gut ausgestatteten Campingplatz Cañón do Sil.

Blick vom Mirador de la Columna auf die Schlucht des Flusses Sil
Blick vom Mirador de la Columna auf die Schlucht des Flusses Sil

Wer Lust hat kann im Ort den Wagen stehen lassen und macht sich zu Fuß auf zum nächsten Aussichtspunkt, dem Mirador Os Torgás, der auch als Balcones de Madrid, bekannt ist. Hier sollen früher die Frauen auf ihre aus der Emigration zurückkehrenden Männer gewartet haben. Ein ausgeschilderter Fußweg führt in einem Bogen über die Siedlung Fondo de Vila zurück nach Parada do Sil.

Knapp fünf Kilometer liegt von Parada entfernt an den Abhängen der Schlucht einen Wald mit vielen Kastanien die Klosterruine Mosteiro de Santa Cristina mit einer romanischen Kirche aus den 12. Jahrhundert. Das einst mächtige Kloster liegt verlassen und einsam unter den hohen Bäumen. Im Obergeschoss des Kreuzgangs aus dem 16. Jahrhundert haben Fledermäuse eine Heimstatt gefunden.

Aussichtspunkt Os Torgás / Os Balcones de Madrid
Aussichtspunkt Os Torgás / Os Balcones de Madrid

Castro Caldelas

Es ist jetzt schon Nachmittag geworden und wir haben noch etwa 30 km vor uns, um das Castro Caldelas zu erreichen. Dieses Städtchen bietet sich als Übernachtungsstation an. Die Straße wird nach etwas schmaler, verläuft aber weiterhin landschaftlich reizvolle parallel zur Schlucht. Nach einer guten Strecke ist nach der Querung des Baches Mao das Weindorf A Teixeira erreicht. Von hier aus geht es weiter in Richtung Castro Caldelas, ein kleines Städtchen, welches von einer Burgruine überragt wird. Hier stehen uns mehrere Unterkünfte sowie ein ruhiger Wohnmobilstellplatz zur Verfügung.

Die beschriebene Fahrtstrecke zwischen Ourense und Castro Caldelas beträgt gut 90 km. Mit Pausen und Abstechern sollte daher ein ganzer Tag eingeplant werden.

Weitere Reiseinformationen und Unterkünfte

Karte Cañón do Sil

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