19. September 2019
Storchennest auf dem Bischofspalast von Alcalá de Henares

Alcalá de Henares: Die Cervantes-Stadt bei Madrid

Die alte, sehenswerte Stadt Alcalá de Henares ist eines der interessantesten und schnell erreichbaren Ziele in der Umgebung der spanischen Hauptstadt Madrid. Die Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das städtebauliche Ensemble der Altstadt ist außerordentlich reizvoll. Die traditionelle Hauptstraße ist die längste mit Arkaden gesäumte Calle Mayor in Spanien. Das alte Hauptgebäude der Universität beeindruckt mit einer schönen Renaissancefassade. Und die über 100 Storchenpaare, die auf den luftigsten Plätzen der Stadt im Frühjahr ihre Nester in Schuss gebracht haben, passen perfekt in die besondere Atmosphäre.

Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in Alcalá de Henares

Die Burg am Henares, so lautete übersetzt der maurische Name für eine Festung, die diese im 8. Jahrhundert auf der einer Seite des Flusses Henares errichteten und dabei die bestehende christliche Siedlung am anderen Ufer mehr oder weniger in Ruhe ließen. Aus der arabischen Bezeichnung entwickelte sich die heutige: Alcalá de Henares. Kurioserweise hat sich aber eine weit ältere ebenfalls erhalten, nämlich die römische. Complutum hieß die wohlhabende römische Siedlung an der wichtigen Verbindungsstraße zwischen Zaragoza im Norden und Mérida im Süden. Das daraus abgeleitete Wort complutense dient bis heute als Bezeichnung für die Einwohner von Alcalá. Und die Universität von Madrid nennt sich offiziell Universidad Complutense de Madrid, da diese ursprünglich in Alcalá de Henares gegründet wurde.

Die Universität von Alcalá, im Jahre 1499 von Kardinal Cisneros ins Leben gerufen, ist einer der ältesten Spaniens, an der später zahlreiche Künstler des sogenannten Goldenen Zeitalters, dem Siglo de Oro, studierten. Der bekannteste Sohn der Stadt hat jedoch die Uni niemals als Student betreten. Miguel de Cervantes, der berühmte Schöpfer des Romans Don Quijote und spanischer Nationaldichter wurde wahrscheinlich im Jahre 1547 in Alcalá de Henares geboren, belegt ist sein Taufdatum am 9. Oktober des gleichen Jahres in der Kirche Santa María la Mayor.

Das Geburtshaus von Cervantes, die Casa Natal, liegt direkt an der Calle Mayor Nr. 48 und fällt gleich dadurch auf, dass es als einziges Gebäude an dieser Straße etwas zurückgesetzt ist und einen Vorgarten statt der üblichen Rundbögen besitzt. Dies deutet darauf hin, dass das heutige Museum mit der Bezeichnung Geburtshaus etwas flunkert, denn der Vater von Cervantes war ein verarmter Adliger und als Barbier und „Chirurg“ unterwegs. Seine Mittel werden nicht ausgereicht haben, ein solches Haus zu unterhalten. Vor dem Haus sitzen auf einer Bank Don Quijote und sein treuer Begleiter Sancho Panza. Natürlich sind es Figuren aus Bronze, aber bestens geeignet für ein Selfie.

Don Quijote und Sancho Panza vor dem Geburtshaus
Don Quijote und Sancho Panza vor dem Geburtshaus von Cervantes

Die Calle Mayor bildet die zentrale Achse der Altstadt von Alcalá de Henares. Zahlreiche Straßencafés reihen sich unter den Arkaden, die die Straße links und rechts säumen. Manche der Geschäfte darunter sind geschlossen, eine florierende Einkaufsstraße ist die Hauptstraße wohl nicht mehr.

Den südwestlichen Abschluss der Calle Mayor bildet die Plaza de los Santos Niños mit der Kathedrale von Alcalá. Nördlich davon liegt der prächtige Bischofspalast Palacio Azobispal, auf dessen angrenzenden Mauerruinen viele Störche nisten. In dem Palast fand das erste Treffen zwischen Kolumbus und den spanischen Königen statt. In den ehemaligen Konvent Madre de Dios ist das Archäologische Museum der Region Madrid untergebracht.

Plaza de Cervantes mit dem Denkmal des Nationaldichters
Plaza de Cervantes mit dem Denkmal des Nationaldichters

An das nordöstlichen Ende der Calle Mayor grenzt die langgestreckte Plaza de Cervantes mit einem Standbild des Schriftstellers in der Mitte, welches bei den Einheimischen den spöttischen Spitznamen „Hampelmann“ trägt. Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich der Turm der Kirche Santa María. Eine Besteigung wird mit einem der besten Panoramaaussichten auf die Stadt belohnt. Die ursprüngliche Taufkirche von Cervantes wurde während des spanischen Bürgerkriegs bis auf die Kapelle Capilla del Oidor, in der heute ein Informationszentrum und sein Taufbecken untergebracht sind, zerstört. Eine weitere Sehenswürdigkeit an diesem Platz ist der Corral de Comedias, ein Theaterhof aus dem 16. Jahrhundert, der während Führungen bzw. Theatervorstellungen besichtigt werden kann.

An der benachbarten Plaza de San Diego liegt die herausragende Sehenswürdigkeit von Alcalá de Henares, das Hauptgebäude der Universität. Das Colegio de San Idelfonso zeichnet sich durch eine für die spanische Renaissance typisch platereske Fassade aus. Da an der Uni von Alcalá inzwischen wieder viele Studierende eingeschrieben sind, ist das belebte Gebäude mit den schönen Innenhöfen ohne Probleme zu besichtigen. In dem historischen Hörsaal verteidigten die Studenten früher ihre Doktorarbeiten. Heute wird hier im „Parainfo Cisneriano“ einmal im Jahr der bedeutendste spanische Literaturpreis, der Premio Cervantes, verliehen. In der Kirche San Idelfonso befindet sich das Grabmal des Universitätsgründers Kardinal Cisnero.

Feste (Fiestas) in Alcalá

  • 24. August: Feria y Fiestas de Alcalá, seit über 800 Jahren traditioneller Markt mit Umzügen
  • 9. Oktober: Día de Cervantes / Semana de Cervantes mit mittelalterlichem Markttreiben
  • November: Filmfestival mit Kurzfilmen und Erstlingswerken spanischer Regisseure

Essen und Trinken

Auch die lokale Küche wird zu mindestens bei der kreativen Namensgebung von Don Quijote inspiriert. So ist ein Toast mit dem Namen Sanchito durchaus üblich. Ende September wird die Woche der Jornadas Gastronómicas Cervantinas ausgerufen. Basis ist die relativ nahrhafte Küche Kastiliens mit Brotsuppen, Gebratenem wie Lamm oder Zicklein und frischem Gemüse. Alcalá ist eine Stadt der Studierenden mit einem breiten Angebot von preiswerten Lokalen. Für wenige Euros gibt es ein Bier und eine Tapa dazu, die schon fast satt machen kann. Vornehmer und teurer geht es, da sollte der Namen nicht täuschen, in der Hostelería del Estudiante zu, dem Restaurant des Paradors von Alcalá.

Das historische Hauptgebäude der Universität von Alcalá
Das historische Hauptgebäude der Universität von Alcalá

Weitere Reiseinformationen und Unterkünfte in Alcalá de Henares

Das Flaggschiff der Hotellerie ist das Luxushotel Parador de Alcalá de Henares, das, obwohl in einem Kloster aus dem 17. Jh. untergebracht, mit modernsten Innenräumen und einem futuristischen SPA aufwartet. Preiswerter, aber auch angenehm, das Hotel Evenia, ebenfalls in der Altstadt. Daneben gibt es eine Reihe von B&B’s, Apartments und Hotels, die über die bekannten Portale gebucht werden können.

Karte mit Sehenswürdigkeiten in Alcalá de Henares


Lage: Die Stadt Alcalá de Henares (PLZ 28800; GPS 40.483381 / -3.364488; 196.000 Einw.) liegt auf 594 Meter Höhe am Fluss Henares in der Gemeinschaft Comunidad de Madrid.

Anreise

Alcalá de Henares liegt an der kostenfreien Autobahn A-2, die Madrid mit Zaragoza verbindet. Von Madrid aus ist die Anfahrt mit den Nahverkehrszügen der Cercanías-Linien C-2 oder C-7 zu empfehlen. Die Fahrzeit von Madrid Atocha beträgt 40 Minuten.

Ziele in der Umgebung

  • Sigüenza (Kastilien-La Mancha) 98 km Autobahn A-2
  • Zaragoza (Aragón) 281 km Autobahn A-2
  • Madrid 36 km Autobahn A-2
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