9. Juli 2020
Blick auf Albarracín mit der Kathedrale und dem Castillo

Albarracín: Die rote Stadt der Banu Razin trotzt der Landflucht

Die Tatsache, dass es das Städtchen Albarracín in den Bergen der Provinz Teruel so überhaupt noch gibt, erscheint fast wie ein Wunder.

Der Süden von Aragón, landschaftlich geprägt durch das Iberische Gebirge (Sistema Ibérico), hat ein gravierendes Problem, nämlich die massive Landflucht in den letzten Jahrzehnten. Dies betrifft insbesondere die südliche Provinz Teruel, die mit gut zwei Menschen pro Quadratkilometer zu den am dünnsten besiedelten Regionen Spaniens zählt.

Und trotzdem, oder gerade deshalb, kämpft hier die kleine Stadt Albarracín mit insgesamt gut 1.000 Einwohner-/innen, die auch noch auf über 450 Quadratkilometern verstreut leben, relativ erfolgreich gegen den Niedergang. Das Rezept: Kontinuierliche Restaurationsarbeiten zum Erhalt und zur Wiederherstellung der mittelalterlichen Substanz mit Impulsen für Arbeitsplätze und ökonomischer Entwicklung. Gleichzeitig wird versucht die Gefahr abzuwehren, sich zu einem reinen Museumsdorf zu entwickeln, in welches morgens per Bus die Touristen kommen und abends wieder abgeholt werden.

Inzwischen zählt das Städtchen zur Vereinigung der „Schönsten Gemeinden Spaniens“ (Los pueblos más bonitos de España) und im Jahre 2017 trafen sich hier die Vertreter der „Schönsten Dörfer der Welt“ zu ihrer Generalversammlung. Aber alle diese Versuche wären umsonst, wenn nicht eine außergewöhnliche Substanz die Grundlage dafür böte, dass die Stiftung Santa María de Albarracín, welche den Prozess der Ortserneuerung initiierte und begleitet, erfolgreich ist.

Sehenswürdigkeiten in Albarracín

Das historische Zentrum von Albarracín umfasst mit gewaltigen Stadtmauern einen ganzen Bergrücken. Über der steilen Schlucht des Flusses Guadalaviar, der den Ort in einer Schleife umfließt, kleben die mittelalterlichen Gebäude mit ihrer rötlichen Verputzung fest am Hang. Über der Altstadt thront auf einem Felsen das Schloss, der Alcázar de Albarracín, ein wenig tiefer reckt sich der Glockenturm der Kathedrale in den Himmel. Den höchsten Punkt der Wehranlagen markiert der rechteckige Torre del Andador den höchsten Punkt der Stadtmauern.

Die Grundzüge dieses in der Einsamkeit der Berge errichteten Ensembles geht auf die Berberdynastie der Raciniden zurück, die hier in den Jahren 1012 bis 1104 eines vielen Kleinkönigreiche errichteten, die als sogenannte Taifas nach Zerfall des Kalifats von Córdoba entstanden. Der heutige Name der Stadt geht auf den Familiennamen Banu Razin (Söhne der Razin) zurück.

Wer mit dem Auto nach Albarracín kommt, und dies werden die meisten sein, denn die Busverbindungen sind spärlich, sollte den Wagen gleich unten auf dem großen Parkplatz an der Brücke über den Guadalaviar parken. Hier liegt an der Hauptstraße die Tourist-Information des Landkreises Sierra de Albarracín.

Ein kleiner Spaziergang

Wenige Schritte weiter führt ein Weg in Richtung Fluss, welcher in einem empfehlenswerten kurzen Wanderweg, dem Paseo Fluvial, mündet. Der nicht lange aber etwas steile Aufstieg wird durch beeindruckende Panoramablick auf die Altstadt und die Silhouette von Albarracín belohnt. Hinter einer eisernen Hängebrücke führt mit Blick auf die Kirche Santa María, die früher ein Teil der Wehranlagen war, ein Weg hinauf zum 18 Meter hohen Turm Torre de Doña Blanca, dem südlichsten Abschnitt der Stadtmauer, hoch über der tiefen Haarnadelschlucht des Guadalaviars gelegen. Eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause mit schönen Ausblicken auf die Umgebung.

Castillo de Albarracín
Aufgang zum Castillo de Albarracín

Die Route in Richtung Altstadt führt vorbei an dem Stadtmuseum Museo de Albarracín und dem Eingang zum Castillo de Albarracín. Im Bereich des Wehrschlosses wurden in den vergangenen Jahrzehnten umfangreiche Ausgrabungsarbeiten durchgeführt. Einige der Fundstücke, in erster Linie mittelalterliche Keramiken, sind im Stadtmuseum ausgestellt.

Die Kathedrale

Die Kathedrale Salvador de Albarracín zählt zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten und ist vielleicht das beste Beispiel für die umfangreichen Restaurationsarbeiten, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden. Zuvor befand sich die einschiffige gotische Kirche in einem traurigen Zustand und wurde kaum noch für Messen genutzt. Allerdings verstarb auch der letzte hier ansässige Bischof schon im Jahre 1839, anschließend wurde das Bistum von Albarracín mit dem von Teruel zusammengelegt. Sehenswert sind der Hauptaltar (1566), ein Werk des Bildhauers Cosme Damián Bas, das Chorgestühl sowie die Seitenkapellen, die überwiegend im Stil des Barocks gestaltet sind.

Direkt neben der Kathedrale liegt der Bischofspalast Palacio Episcopal aus dem 16. Jahrhundert. Sehenswert ist die gut erhaltene Inneneinrichtung im Stil der Zeit mit zahlreichen Accessoires. Schmuckstücke sind die flämischen Wandteppiche, welche die biblische Geschichte des Gideons darstellen. In dem Gebäude sind das Kathedralenmuseum sowie die Stiftung Santa María de Albarracín untergebracht. Letztere unterhält dort ein Informationszentrum, in dem u.a. Führungen gebucht werden können.

Plaza Mayor mit dem Rathaus von Albarracín
Plaza Mayor mit dem Rathaus von Albarracín

Der Hauptplatz Plaza Mayor

Die Calle de la Catedral führt zum Hauptplatz der Altstadt. An der Plaza Mayor steht das Rathaus von Albarracín, welches im 16. Jh. direkt am Abhang gebaut wurde. Typisch sind die durchlaufenden Balkone über den Arkaden. Auf der gegenüberliegenden Seite führt eine Gasse zur Santiago-Kirche, der zweiten wichtigen Kirche des Ortes. Ein Spaziergang durch schmalen Straßen der Altstadt ist ein auf- und ab entlang verwinkelter Wege und Treppen. Die Häuser sind teilweise so dicht gebaut, dass sich die Gesimse in der Höhe fast berühren. So wird die Sonne ferngehalten und der Schnee kann im Winter nur durch einen schmalen Spalt auf die gepflasterten Wege fallen.

Die traditionelle Architektur des Ortes wurde sorgsam restauriert. Beispielhaft für typische Wohnhäuser ist die Casa de la Julianeta in der Calle Santiago, die als Residenz für Gäste der Stiftung hergerichtet wurde. Daneben gibt es die Herrenhäuser wie der im andalusischen Blau gehaltene Palast der Navarro de Arzuriaga.

Albarracín Bilder

Weitere Reiseinformationen und Unterkünfte in Albarracín

Albarracín Karte und Lage

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Lage: Die Stadt Albarracín (PLZ 44100; GPS 40.407957, -1.439445; 1.050 Einw.) liegt auf 1.171 Meter Höhe in der Sierra de Albarracín in der Provinz Teruel im Süden von Aragón.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Albarracín

Südwestlich von Albarracín liegt das Naturschutzgebiet Pinares de Rodeno, benannt nach dem rötlichen Kalkstein, dessen Farbton wir an den Häuserfassaden in Albarracín kennengelernt haben. Interessant sind dort u.a. die Höhlenmalereien (arte rupestre). Zwischen Albarracín, Gea und Cella bestand eine römische Wasserleitung (acueducto romano). Das Kanalsystem kann auch in Abschnitten erwandert werden. In der Sierra de Albarracín entspringt einer der wichtigsten Flüsse der iberischen Halbinsel, der Tajo. Die Quelle liegt bei dem Dorf Frías de Albarracín an der Landstraße in Richtung Cuenca.

Reiseziele in der Umgebung

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