Albarracín: Die rote Stadt der Banu Razin trotzt der Landflucht

Das mittelalterliche, unter Denkmalschutz stehende Städtchen Albarracín im Norden der Provinz Teruel (Aragonien) besticht durch rote Häuser entlang der engen Gassen. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Kathedrale, die Burg und die mächtigen Stadtmauern.

Albarracín (Provinz Teruel)
Blick auf Albarracín mit der Kathedrale und dem Castillo
Inhalt
Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
Reiseinformationen und Unterkünfte
Karte und Lage
Bilder-Galerie
Reiseziele in der Umgebung

Der Süden von Aragón, landschaftlich geprägt durch das Iberische Gebirge (Sistema Ibérico), hat ein gravierendes Problem, nämlich die massive Landflucht in den vergangenen Jahrzehnten. Dies betrifft insbesondere die südliche Provinz Teruel, die mit gut zwei Menschen pro Quadratkilometer zu den am dünnsten besiedelten Regionen Spaniens zählt.

Und trotzdem, oder gerade deshalb, kämpft hier die kleine Stadt Albarracín mit insgesamt gut 1.000 Einwohner:innen, die auch noch auf über 450 Quadratkilometern verstreut leben, relativ erfolgreich gegen den Niedergang. Das Rezept: Kontinuierliche Restaurationsarbeiten zum Erhalt und zur Wiederherstellung der mittelalterlichen Substanz mit Impulsen für Arbeitsplätze und ökonomische Entwicklung. Gleichzeitig wird versucht, die Gefahr abzuwehren, sich zu einem reinen Museumsdorf zu entwickeln, in welches morgens per Bus die Touristen kommen und abends wieder abgeholt werden.

Inzwischen zählt das Städtchen zur Vereinigung der „Schönsten Gemeinden Spaniens“ (Los Pueblos más Bonitos de España), und im Jahre 2017 trafen sich hier die Vertreter der „Schönsten Dörfer der Welt“ zu ihrer Generalversammlung. Aber alle diese Versuche wären umsonst, wenn nicht eine außergewöhnliche Substanz die Grundlage dafür böte, dass die Stiftung Santa María de Albarracín, welche den Prozess der Ortserneuerung initiierte und begleitete, erfolgreich ist.

Sehenswürdigkeiten in Albarracín

Das historische Zentrum von Albarracín umfasst mit gewaltigen Stadtmauern einen ganzen Bergrücken. Über der steilen Schlucht des Flusses Guadalaviar, der den Ort in einer Schleife umfließt, kleben die mittelalterlichen Gebäude mit ihrer rötlichen Verputzung fest am Hang. Über der Altstadt thront auf einem Felsen das Schloss, der Alcázar de Albarracín, ein wenig tiefer reckt sich der Glockenturm der Kathedrale in den Himmel. Den höchsten Punkt der Wehranlagen markiert der rechteckige Torre del Andador.

Albarracín (Aragón)
Steil klettern die Häuser den Berg hinauf

Die Grundzüge dieses in der Einsamkeit der Berge errichteten Ensembles gehen auf die Berberdynastie der Raciniden zurück, die hier in den Jahren 1012 bis 1104 eines der vielen Kleinkönigreiche errichtete, die als sogenannte Taifas nach Zerfall des Kalifats von Córdoba entstanden. Der heutige Name der Stadt geht auf den Familiennamen Banu Razin (Söhne der Razin) zurück.

Wer mit dem Auto nach Albarracín kommt, und dies werden die meisten sein, denn die Busverbindungen sind spärlich, sollte den Wagen gleich unten auf dem großen Parkplatz an der Brücke über den Guadalaviar parken. Hier liegt an der Hauptstraße die Tourist-Information des Landkreises Sierra de Albarracín.

Ein kleiner Spaziergang

Wenige Schritte weiter führt ein Weg in Richtung Fluss, welcher in einem empfehlenswerten kurzen Wanderweg, dem Paseo Fluvial, mündet. Der nicht lange, aber etwas steile Aufstieg wird durch beeindruckende Panoramablicke auf die Altstadt und die Silhouette von Albarracín belohnt. Hinter einer eisernen Hängebrücke blicken wir auf die Kirche Santa María, die früher ein Teil der Wehranlagen war. Ein Weg hinauf zum 18 Meter hohen Turm Torre de Doña Blanca, dem südlichsten Abschnitt der Stadtmauer, hoch über der tiefen Haarnadelschlucht des Flusses Guadalaviar gelegen. Eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause mit schönen Ausblicken auf die Umgebung.

Die Route in Richtung Altstadt führt vorbei an dem Stadtmuseum Museo de Albarracín und dem Eingang zum Castillo de Albarracín. Im Bereich des Wehrschlosses wurden in den vergangenen Jahrzehnten umfangreiche Ausgrabungsarbeiten durchgeführt. Einige der Fundstücke, in erster Linie mittelalterliche Keramiken, sind im Stadtmuseum ausgestellt.

Die Kathedrale

Die Kathedrale Salvador de Albarracín zählt zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten und ist vielleicht das beste Beispiel für die umfangreichen Restaurationsarbeiten, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden. Zuvor befand sich die einschiffige gotische Kirche in einem traurigen Zustand und wurde kaum noch für Messen genutzt. Der letzte hier ansässige Bischof verstarb im Jahre 1839. Anschließend wurde das Bistum von Albarracín mit dem von Teruel zusammengelegt. Sehenswert sind der Hauptaltar (1566), ein Werk des Bildhauers Cosme Damián Bas, das Chorgestühl sowie die Seitenkapellen, die überwiegend im Stil des Barocks gestaltet sind.

Albarracín (Aragón)
In der Altstadt von Albarracín mit Blick auf die Kathedrale

Direkt neben der Kathedrale liegt der Bischofspalast Palacio Episcopal aus dem 16. Jahrhundert. Sehenswert ist die gut erhaltene Inneneinrichtung im Stil der Zeit mit zahlreichen Accessoires. Schmuckstücke sind die flämischen Wandteppiche, welche die biblische Geschichte des Gideon darstellen. In dem Gebäude sind das Museum der Kathedrale sowie die Stiftung Santa María de Albarracín untergebracht. Letztere unterhält dort ein Informationszentrum, in dem u. a. Führungen gebucht werden können.

Der Hauptplatz Plaza Mayor

Die Calle de la Catedral führt zum Hauptplatz der Altstadt. An der Plaza Mayor steht das Rathaus von Albarracín, welches im 16. Jh. direkt am Abhang gebaut wurde. Typisch sind die durchlaufenden Balkone über den Arkaden. Auf der gegenüberliegenden Seite führt eine Gasse zur Santiago-Kirche, der zweiten wichtigen Kirche des Ortes. Ein Spaziergang durch die schmalen Straßen der Altstadt ist ein Auf und Ab entlang verwinkelter Wege und Treppen. Die Häuser sind teilweise so dicht gebaut, dass sich die Gesimse in der Höhe fast berühren. So wird die Sonne ferngehalten und der Schnee kann im Winter nur durch einen schmalen Spalt auf die gepflasterten Wege fallen.

Plaza Mayor (Albarracín)
Plaza Mayor mit dem Rathaus von Albarracín

Die traditionelle Architektur des Ortes wurde sorgsam restauriert. Beispielhaft für typische Wohnhäuser ist die Casa de la Julianeta in der Calle Santiago, die als Residenz für Gäste der Stiftung hergerichtet wurde. Daneben gibt es die Herrenhäuser wie den im andalusischen Blau gehaltenen Palast der Navarro de Arzuriaga.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Albarracín

Südwestlich von Albarracín liegt das Naturschutzgebiet Pinares de Rodeno, benannt nach dem rötlichen Kalkstein, dessen Farbton wir an den Häuserfassaden in Albarracín kennengelernt haben. Interessant sind dort u. a. die Höhlenmalereien (arte rupestre). Zwischen Albarracín, Gea und Cella bestand eine römische Wasserleitung (acueducto romano). Das Kanalsystem kann auch in Abschnitten erwandert werden. In der Sierra de Albarracín entspringt einer der wichtigsten Flüsse der iberischen Halbinsel, der Tajo. Die Quelle liegt bei dem Dorf Frías de Albarracín an der Landstraße in Richtung Cuenca.

Reiseinformationen, Wetter und Unterkünfte in Albarracín

Die meisten Unterkünfte in Albarracín, von Hotels über Apartments bis zu B&B-Angeboten, sind in historischen Gebäuden untergebracht.

  • Buchung von individuellen Hotels und Unterkünften in Albarracín ⇒ Booking.com (P+)
  • Aktueller Wetterbericht: 7-Tage-Wettervorhersage für Albarracín (Teruel) vom spanischen Wetterdienst AEMet
  • Sowohl die Tourist-Information an der Calle de San Antonio Nr. 2 als auch das Informationszentrum der Stiftung Santa María neben der Kathedrale informieren über die Sehenswürdigkeiten im Ort und der Umgebung.
  • Der schöne Campingplatz Ciudad de Albarracín ist offiziell das ganze Jahr über geöffnet.
  • Wegweiser zu den interessanten Orten in der Provinz Teruel
  • Aragón Reiseführer zu den Attraktionen der nordspanischen Region

Albarracín Karte und Lage

Lage: Die Stadt Albarracín (PLZ 44100; GPS 40.407957, -1.439445; 1.050 Einw.) liegt auf 1.171 Meter Höhe in der Sierra de Albarracín in der Provinz Teruel im Süden von Aragón.

Albarracín Bilder, Impressionen, Sehenswürdigkeiten

Reiseziele in der Umgebung

  • Zaragoza (Saragossa), Hauptstadt von Aragonien ⇨ 188 km A-23
  • Teruel, die Mudéjar-Stadt in Aragón ⇨ 38 km Landstraße A-1512
  • Ciudad Encantada, fabelhafte Felsformationen ⇨ 90 km A-1704 / CM-2105
  • Cuenca, sehenswerte Provinzhauptstadt in Kastilien ⇨ 114 km A-1704 / CM-2105