18. September 2019
Das Kloster Yuso in San Millán de la Cogolla

San Millán de la Cogolla: Zwei sehenswerte Klöster in der Rioja

Ein Eremit, der über 100 Jahre alt wurde und wegen der Umverteilung kirchlicher Reichtümer zugunsten der Armen seine Mitpriester erzürnte, gab im 6. Jahrhundert den Anstoß für eine Klosterkultur, deren Tradition in San Millán de la Cogolla von der UNESCO mit dem Titel Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Die beiden sehr unterschiedlichen Klöster San Millán de Suso und San Millán de Yuso liegen in der Ortschaft San Millán de la Cogolla ca. 20 km südwestlich von Nájera in den Ausläufern der Sierra de la Demanda. Beide zählen zu den wichtigsten Klöstern in der Rioja.

Wer war San Millán (Aemilianus), der diesen beiden Klöstern seinen Namen gab? Im Jahre 473 im heutigen Berceo geboren, arbeitete der Mann bis zu seinem 40. Lebensjahr als Schäfer, bis er die Bekanntschaft mit dem frommen Eremiten San Felices de Bilibio aus Haro machte, der ihn drei Jahre lang unterrichtete. Als Konsequenz zog sich Millán in die einsamen Berge von Cogolla zurück, wo er 40 Jahre lang lebte.

Der Bischof von Tarazona, der, wie die Legende erzählt, seine Tugendhaftigkeit schätze, ernannte ihn später zum Priester seines Geburtsortes Berceo. Dort gab er mehr Geld für die Armen aus, als es seine Priesterkollegen gewohnt waren und ihr Zorn war so groß, dass Millán nach drei Jahren aufgab und sich in einer Höhle in der Nähe wieder als Einsiedler niederließ und dort 574 verstarb.

Monasterio de San Millán de Suso

Nach dem Tod von San Millán wurde sein Grab zum Pilgerziel und so wurden im 6. und 7. Jahrhundert die Grundsteine für das Kloster San Millán de Suso gelegt und in den folgenden Zeiten ausgebaut. Im Jahre 1002 zerstören maurische Truppen unter dem Befehl von Almanzor das Kloster, welches dann 1030 von Sancho Garcés III. wieder hergerichtet wurde. Diese Baugeschichte ist der Grund dafür, dass die kleine Kirche unterschiedliche Stilrichtung, wie mozarabische Hufeisenbögen oder westgotische Kapitelle, zeigt. Zu den Sehenswürdigkeiten von Suso zählen die ursprünglichen Höhlen, ein Kenotaph (Scheingrab) des San Millán sowie weitere Grabstätten.

Kloster San Millán de Suso
Kloster San Millán de Suso

Besichtigungszeiten des Monasterio de San Millán de Suso

Die Besichtigung ist nur im Rahmen einer geführten Tour (Dauer ca. 40 Minuten) von Dienstag bis Sonntag möglich. Die Zufahrt erfolgt per Kleinbus ab dem Kloster Yuso. Obligatorische Reservierung mindestens einen Tag vorher über die Telefon-Nr.: + 34 941 373 082

Monasterio de San Millán de Yuso

Das bedeutend größere Kloster San Millán de Yuso liegt nicht wie das ältere Schwesterkloster versteckt am Hügel im Wald, sondern direkt in der Ortschaft San Millán de la Cogolla.

Bauherr des Klosters war der schon vorher erwähnte Sancho Garcés III., der im benachbarten Nájera residierte. Dieser beabsichtige das Grab des San Millán in sein neu gebautes Kloster Santa María la Real de Nájera zu verlegen. Denn der Heilige hatte im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen und war inzwischen zum Schutzheiligen von Kastilien avanciert. Ähnlich wie Santiago war nämlich auch Millán im 10. Jahrhundert im Rahmen der Reconquista plötzlich als Unterstützer der christlichen Truppen aufgetaucht und galt von nun an nicht mehr nur als mildtätiger Eremit, sondern als Kämpfer gegen die islamische Herrschaft.

Doch die Verlegung der sterblichen Überreste des Heiligen ging schief. Als die Ochsen den Karren über das Flüsschen Cárdenas ziehen sollten, blieben sie einfach stehen. Dies interpretierte der König als Gotteszeichen und ließe ab 1053 an dieser Stelle ein neues Kloster bauen, dass allerdings im 16. Jahrhundert völlig zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde.

Zu den Sehenswürdigkeiten des überwiegend im strengen Herrera-Stil gehaltenen Klosters San Millán de Yuso sind die Schreine des Heiligen Millán und seiner Lehrers Felices de Bilibio. Im Mittelpunkt sehen die Wunder des San Millán sowie Geschichten aus dem Neuen Testament. Im Halbbogen des Eingangsportals sehen wir ein Relief mit dem San Millán auf dem Pferd reitend das Schwert schwingen. Zu Füßen liegen die erschlagenen Mauren.

Das Kloster hat für Spanien eine weitere große kulturelle Bedeutung, gilt es doch als Wiege der spanischen Sprache. In der Bibliothek des Klosters werden die Glosas Emilianenses aufbewahrt. Diese Randkommentare zu einem lateinischen Text, um 977 von einem Mönch verfasst, sind die ersten schriftlichen Zeugnisse der sich herausbildenden Volkssprache, aus der die kastilische Sprache entstand.

Besichtigungszeiten des Monasterio de San Millán de Yuso

Im Sommer (Ostern bis einschließlich September): 10 bis 13.30 und 16 bis 18.30 Uhr, montags geschlossen, außer im August. Im Winter: 10 bis 13 Uhr und 15.30 bis 17.30 Uhr, Sonntagnachmittag und montags geschlossen. Eine Reservierung ist nicht erforderlich.

Etwa einen Kilometer nordwestlich liegt Berceo, hier wurde nicht nur San Millán geboren, sondern auch Gonzalo de Berceo, der erste bekannte Dichter in der kastilischen Sprache . In diesem Ort befindet sich mit dem Camping Berceo auch ein sehr guter Campingplatz.

Bilder von San Millán de la Cogolla

 

Weitere Reiseinformationen und Unterkünfte

  • Das Monasterio de San Millán de Yuso war über Jahrhunderte ein Benediktinerkloster, wird aber jetzt von Franziskanern bewohnt und verwaltet. Das Monasterio de San Millán de Suso ist im staatlichen Besitz. Gute Informationen rund um die Klöster bietet die Klosterwebsite leider nur auf spanischer Sprache
  • Im Kloster Yuso ist auch ein 4 Sterne Hotel untergebracht, welches sie mit anderen Unterkünfte in San Millán de la Cogolla und Umgebung hier finden

Karte und Lage von San Millán de la Cogolla


Lage: Das Dorf San Millán de la Cogolla (PLZ 26326; GPS 42.326362/ -2.866373; 240 Einw.) liegt auf 740 m Höhe im Kreis Comarca de Nájera in der Rioja.

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