Kastilien und León: Tipps für Reisen durch das Land der Kathedralen und Burgen

Ein kurzer Führer mit Vorschlägen für Touren durch die Gemeinschaft im Nordwesten Zentralspaniens, die unter kunsthistorischen Aspekten zu den interessantesten Reiseregionen in Europa zählt.

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Die Gemeinschaft Kastilien und León (Spanisch: Castilla y León) kann mehr UNESCO-Weltkulturerbestätte auf ihrem Gebiet verzeichnen als jede andere vergleichbare Region in Europa. Das Königreich Kastilien war letztendlich die Macht, welche über Jahrhunderte die Geschicke Spaniens und darüber hinaus prägte. Die kastilische Sprache wurde als heutiges „Spanisch“ zur vorherrschenden Sprache des Landes.

Die heutigen Grenzen der Gemeinschaft umfassen die Gebiete von Altkastilien wie die Provinzen Burgos, Palencia und Segovia sowie die Gegenden im Westen, die wie die Provinzen León, Zamora und Salamanca zum Königreich León zählten.

Landschaft in Kastilien und León bei Castrojeriz
Landschaft in Kastilien und León bei Castrojeriz

Kastilien und León liegt damit zwischen den Gipfeln des Kantabrischen Gebirges (Cordillera Cantábrica) im Norden und des Kastilischen Scheidegebirges (Cordillera Central) im Süden. Dazwischen zieht sich von Osten nach Westen der Fluss Duero, ohne dessen Wasser die unendlichen Getreidefelder der nördlichen Hochebene Zentralspaniens, der Meseta, eine Wüste wären. Die dünnbesiedelte und relativ wohlhabende Gemeinschaft ist der Fläche nach die größte der autonomen Gemeinschaften in Spanien.

Routen durch Kastilien und León

Die geografische Ausdehnung des Landes bedingt, dass eine Entscheidung getroffen werden muss, welche Reiseroute mit welchen Schwerpunkten gewählt werden soll. Im Folgenden finden Sie drei Routen-Vorschläge durch die Region, die über 60 Prozent des kulturellen Erbes Spaniens beherbergt.

Entlang des Jakobswegs

Da im Mittelalter der Jakobsweg durch Kastilien-León ein treibender Faktor der kulturellen Entwicklung war, liegt es nahe für eine erste Reise den Camino de Santiago, wie der Pilgerweg auf Spanisch bezeichnet wird, als Orientierung zu nehmen.

Der Jakobsweg, dessen Verlauf durch Kastilien und León Verlauf von Osten nach Westen weitestgehend durch die Nationalstraße N-120 nachgezeichnet wird, kommt aus der Rioja und quert in den Montes de Oca, einem kleinen Ausläufer der Sierra de la Demanda, die Grenze. Kurz vor Burgos liegt in der Sierra de Atapuerca eine archäologische Ausgrabungsstätte, in der Skelette von vormenschlichen Wesen gefunden wurden.

Die alte Stadt Burgos, im Mittelalter über Jahrhunderte die etwas düstere Hauptstadt des Königreiches Kastilien, beeindruckt schon allein durch die erhabene Kathedrale, der drittgrößten Spaniens. Überall gegenwärtig ist El Cid, der in der Nähe von Burgos geboren Nationalheld Spaniens.

Kathedrale von Burgos
Kathedrale von Burgos

Zwischen Burgos und León liegen eine Reihe interessanter kleiner Städte und Dörfer am Jakobsweg. Empfehlenswerte Stationen sind beispielsweise das Dorf Castrojeriz oder die kleine Stadt Frómista.

In der Stadt León, der einstigen Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs, das später an Kastilien fiel, geht es im Vergleich zu Burgos schon etwas ruhiger und ursprünglicher zu, was durchaus reizvoll ist. Auch hier zählt die französisch inspirierte Kathedrale neben den romanischen Bauten zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten.

Westlich von León führt der Jakobsweg in Richtung Galicien über das reizvolle Astorga durch die Maragatería, dem Land der Fuhrleute, über Ponferrada zum Grenzpass Porto de Pedrafita.

Die Gesamtstrecke der Tour entlang des Jakobswegs beträgt ohne Umwege und Abstecher gut 400 Kilometer. Mindestens fünf Tage mit Übernachtungen z. B. in Burgos, León und Ponferrada sollten dafür eingeplant werden.

Kathedrale von León
Kathedrale von León

Die Königsstädte im Süden

Gut von Madrid erreichbar sind die beiden sehenswerten Städte Ávila und Segovia im Süden von Kastilien und León. Segovia beeindruckt durch das gut erhaltene römische Aquädukt am Rande der mittelalterlichen Altstadt mit Kathedrale und Königsburg.

Die auf 1.128 Meter höchstgelegene Stadt Spaniens Ávila wird von einer sehr gut erhaltenden Stadtmauer umgeben. Zwischen den beiden Städten und Madrid liegt die Sierra de Guadarrama, ein Gebirgszug auf dem im Winter Skifahren angesagt ist und im Sommer Wandern, Ausflüge und Erholung.

Auf der Stadtmauer von Ávila
Auf der Stadtmauer von Ávila

Eine Tour von Burgos nach Salamanca

Eine alternative Route durch Kastilien und León führt von Burgos im Nordosten nach Salamanca im Südwesten entlang der Nationalstraße N-620 (bzw. Autobahn A-62). Diese Strecke, die ab Salamanca über die A-66 in Richtung Extremadura und Andalusien fortgesetzt werden kann, berührt die Städte Palencia, Valladolid, und Tordesillas.

Palencia ist eine eher ruhige Provinzhauptstadt mit einer schönen Kathedrale und abwechslungsreichen Häusern an ihrer langen Calle Mayor. In Valladolid sitzt heute die Regierung von Kastilien und León und die Stadt hat als kulturelles Zentrum einige sehr interessante Kunstmuseen zu bieten. Tordesillas ist eines der schönen kleinen Städte am Fluss Duero, an dessen Ufern die bekannte Weinregion Ribera del Duero liegt. Von Tordesillas lohnt sich ein Abstecher in die Städte Toro und Zamora im Westen.

Salamanca, die Stadt mit der Doppelkathedrale und dem, wie höchstwahrscheinlich mit Recht gesagt wird, schönsten Hauptplatz in Spanien ist Sitz einer alten und großen Universität. Im Sommer kommen Tausende Studierende in die Stadt, um hier die spanische Sprache zu lernen.

Die alte und neue Kathedrale von Salamanca
Die alte und neue Kathedrale von Salamanca

Die reine Fahrstrecke zwischen Burgos und Salamanca beträgt gut 250 Kilometer, mit einem Abstecher über Toro nach Zamora sind es 300 km.

Die beste Reisezeit für Kastilien und León

Die klimatischen Bedingungen der zwischen 600 und 900 Meter hohen und niederschlagsarmen Nordmeseta sind relativ extrem. Drei Monate Winter, neun Monate Hölle lautet eine eingängige Beschreibung der Wetterbedingungen. Starke Schwankungen der Tagestemperaturen sind vor allem im Frühjahr und Herbst möglich, deshalb ist es gut, am Abend immer etwas Warmes zur Hand haben.

Die beste Zeit für Städtereisen ist der Frühling und der frühe Herbst, hitzeempfindliche Menschen sollten den Juli und den August meiden.

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